VERTICAL PERSONALITY

Welche Stufen der Persönlichkeitsentwicklung können Führungskräfte und Mitarbeitende abhängig von ihrem Alter erreichen?

Die bisherigen Persönlichkeitsmodelle auf dem Markt messen Handlungskompetenzen von Menschen auf horizontalem Niveau. Horizontal heißt, die eigenen Kompetenzen, Fertigkeiten sowie das eigene Können und Wissen.

Eine andere Betrachtungsweise ist es, die menschliche Entwicklung altersabhängig in ihren Möglichkeiten zu definieren – also auf vertikalem Niveau. In der vertikalen Entwicklung geht es somit um die Entwicklung des Menschen in seiner psychologischen Reife. Es geht um die Entfaltung seines Potenzials von tieferem Verständnis, tieferen Beziehungen und höherer Wirkung.

Wir möchten Ihnen dieses Modell mit allen 8 Stufen näherbringen und zeigen Ihnen unser neuestes Befragungssystem dazu auf.

Struktur

Das sind die 8 Stufen der vertikalen Persönlichkeitsentwicklung. Diese Stufen werden von Menschen in deren Entwicklung durchlaufen und mehr oder weniger bewältigt, wobei die Ausprägung innerhalb der Stufen personenabhängig ist.

Auch unterscheidet sich die zeitliche Verweildauer in den einzelnen Stufen.

Diese Stufen werden beim Menschen schon früh rudimentär angelegt. Sie haben im Verlauf des Lebens altersabhängig bevorzugte Entwicklungssensitivitäten.

In Situationen der Überforderung fällt das Individuum auf die nicht bewältigte tiefere Stufe zeitweise zurück.

Das Modell zeigt den Weg auf, wie Menschen über ihr Leben hinweg eine persönliche Reife erlangen. Ebenfalls kann daraus ersehen werden, auf welcher Stufe ein Mensch entsprechend seinem Alter steht, wo er aber auch stehen könnte.

Das Modell ermuntert Menschen, das Wachstum von Selbstwertgefühl, Beziehungsfähigkeit, persönlicher Wirkung und Identität bewusst zu fördern.

Stufe Beschreibung
1. Impulsive Stufe (E2) Handelt ohne Reflexion aus dem akuten Geschehen. Zeigt impulsive emotionale ungesteuerte Reaktionen und innerliche Mäßigung oder bewusste Steuerung. Hat wenig Kontrolle über das eigene Handeln.
2. Stufe des Selbstschutzes (E2) Schützt sich selbst durch Verteidigung, Erklärung und Rationalisierung, wehrt Feedback ab indem die Quellen des Feedbacks als unglaubwürdig dargestellt werden. Konzentration auf den eigenen Selbstschutz und den Erhalt des geringen Selbstwertgefühls.
3. Egozentrierte Stufe Egozentriertheit und die Berechnung des eigenen Vorteils stehen im Mittelpunkt. Versucht sich zu schützen, um sich zumindest einen eigenen Vorteil zu sichern. Es geht um persönliche Bedürfnisse und materialistische Objekte und das Bedürfnis sich zu bereichern. Kann manipulativ sein und verdächtigt andere manipulativ zu handeln. Bereitschaft andere zu täuschen.
4. Konformistische Stufe (E4) Bedürfnis einer sozialen Gruppe zuzugehören. Findet in der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe den eigenen Wert und die eigene Identität. Die Einhaltung von Regeln und Normen stehen im Mittelpunkt. Weicht Konflikten aus. Kümmert sich um das Wohlergehen der Gruppe. Abgrenzung zu anderen Gruppen.
5. Stufe des Selbstwertes (E5) Das Individuum erkennt den Wert von Wissen und Können und bildet so die Basis des Selbstwertes. Diese in der Mitte oder gegen Ende der Schul- und Ausbildungszeit entstehende Eigenverantwortung ist, wenn sich Erfolge einstellen, Nahrung für das entstehende Selbstwertgefühl. Wettbewerbsdenken. Bedürfnis sich abzuheben und anerkannt zu werden.
6. Stufe der selbstbestimmten Gestaltung (E6) Das Individuum beginnt die Umwelt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, anstatt nur die Zustimmung der Umwelt zu suchen. Ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten unterstützen diesen Prozess. Kann die Absichten verbal überzeugend ausdrücken.
6a. Intellektuelle Dominanz Entwickelt komplexe Konzepte für großangelegte Vorhaben. Erkennt in den Zusammenhängen die innere Logik. Geht als Stratege voran. Es geht um Ziele, Prozesse, Strukturen und Ergebnisse, weniger um den Menschen. Kann kühl und abweisend wirken. Die Menschen folgen wegen der strategischen Brillanz.
6b. Emotionale Dominanz Ist in der Lage, durch eine hohe psychologische Empathie Menschen abzuholen, Verständnis zu zeigen und durch kreative Inspiration zu begeistern.  Kann Menschen für sich begeistern, kann Charisma entwickeln. Geht Konflikten nicht aus dem Weg und strebt nach Idealen. Hat reflektierte Wertvorstellungen.
7. Stufe der Selbsthinterfragung (E7) Den Prozess der Selbstreflexion erreicht das Individuum vollständig. Über das Verständnis der Wirkung von Annahmen hinweg sieht der Mensch mehr und mehr den eigenen verursachenden Anteil am Geschehen. Nicht um sich anzuklagen, sondern um die eigenen Möglichkeiten zu erkennen und dann im eigenen Verhalten zu realisieren. Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten mit der tiefsten seelischen Blessur ermöglicht, durch die Beseitigung der Blockade weiter zu wachsen. Feedback ist erwünscht, auch für den eigenen persönlichen Anteil und wird aktiv eingefordert.
8. Stufe der Autonomie (E8, E9) Auf dieser Stufe bewältigt das Individuum sehr hohe Abstraktionslevel und Komplexitätsgrade auf intellektuellem, sozialem und gesellschaftlichem Niveau. Auf dieser Stufe sind die Menschen in der Lage auch Projekte mit vielen Beteiligten nachhaltig zu transformieren. Neue Betätigungsfelder werden gesucht, auch soziale gesellschaftliche Entwicklungen werden integriert. Respekt und Toleranz prägt den Umgang mit anderen. Die Schaffung von Resonanz und Stimmigkeit, die Fähigkeit zur Sinnstiftung auch die abgewogenen Prognosen für die Zukunft lassen diese Menschen zu hochgeschätzten GesprächspartnerInnen werden. Gelassener geistreicher Humor und die dauernde Nutzung der eigenen Kreativität führen zu einer hohen überzeugenden Wirkung. Kennt die eigene Schattenseite genau und kann dosiert damit umgehen.

Unterstützende Faktoren

Die unterstützenden Faktoren sind gewissermaßen innere Beschleuniger der menschlichen Entwicklung. Je stärker diese Faktoren ausgeprägt sind, umso flüssiger und schneller wird die Entwicklung in den Stufen, aber auch über die Stufen hinaus, beschleunigt. Umgekehrt führen geringe Ausprägungen bei diesen Faktoren zu einer zäheren Entwicklung oder gar zum Stillstand. Genauso wie der Mensch über sein gesamtes Leben die 8 Stufen durchlaufen kann, werden auch die unterstützenden Faktoren parallel zu den Stufen entwickelt und ausgeprägt. So ist die Entwicklung des Selbstwertgefühls ein lebenslanger Prozess. Dieser Prozess kann unterschiedlich tief, schnell, aber auch für eine gewisse Festigkeit entwickelt werden. Die Dynamik ist also, dass die unterstützenden Faktoren auf der einen Seite über das Leben hinweg vom Menschen unterschiedlich stark entwickelt werden, und andererseits gleichsam als Beschleuniger für das Durchlaufen der verschiedenen Lebensstufen dienen.

Faktor Beschreibung
Selbstwertgefühl (S) Das Selbstwertgefühl entsteht aus der Summe der Erfolge, die eine Person erreicht hat und aus der Bereitschaft, diese Erfolge für sich zu verbuchen. Dies hängt mit den Annahmen eines Menschen zu sich selbst zusammen. Je positiver die Annahmen zu sich selbst und je stabiler und zentrierter die bewusste konstruktive Haltung ist, umso mehr kann sich ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Dieser Prozess wirkt sich dann förderlich auf die Entwicklung des Menschen entlang der Lebensstufen aus.
Fähigkeit zur Reflexion und zum Lernen (R) Reflexion heißt, jemand ist fähig eine persönliche Wahrnehmung einsichtig zu verarbeiten. Dabei ist eine persönliche Wahrnehmung beispielsweise ein Feedback oder aber auch ein überraschendes Erlebnis. Die Frage ist, wie der/die Einzelne damit umgeht. Führt die neue Erfahrung zu Ablehnung, Ignoranz oder zu Reflexion. Reflexion heißt, das Thema wird innerlich verarbeitet und führt zunehmend zu einer Veränderung der inneren Haltung. Die Reflexion ist damit die Voraussetzung für jegliche konstruktive Verhaltensänderung.
Vertrauensvolle Beziehung zu anderen Personen (B) Je mehr Vorbilder jemand um sich hat, also Menschen, von denen man viel abschauen kann, je mehr vertrauensvolle Beziehungen entstanden sind, umso mehr wird sich die natürliche mögliche Entwicklung eines Menschen wie von selbst ermöglichen. Ehrliches gutgemeintes Feedback und hilfreiche Impulse fördern die persönliche Entwicklung. Außerdem ist es viel leichter eine persönliche Fähigkeit zu Vertrauen aufzubauen, wenn das Individuum selbst Vertrauen erlebt hat.
Umgang mit der eigenen Energie (E) Eine der wertvollsten angeborenen Möglichkeiten der Lebewesen ist die innere Energie. Diese Energie muss nicht motiviert werden, sie ist einfach vorhanden. Es ist ein positives „inneres Angetriebensein“, das dann wirkt, wenn das Selbstwertgefühl ebenfalls positiv wirksam ist. Gleichsam kann die innere Energie durch andere Personen stimuliert oder aber auch reduziert werden. Diese innere Energie ist nicht stabil, sondern mehr oder weniger viskose und sowohl von äußeren wie inneren Auf- und Abwertungsprozessen abhängig. Sie ist eine der wirkungsvollsten Bestandteile unseres psychologischen Apparates. Die Forschung hat eindeutig nachgewiesen, dass dieser Faktor eindeutig mit dem leistungsdefinierten Erfolg eines Menschen zusammenhängt. Je höher der innere Antrieb ausgeprägt ist, umso höher der Erfolg, egal in welcher Disziplin.
 Selbstwirksamkeit (W) Selbstwirksamkeit ist die innere Überzeugung des Menschen durch die eigene Kompetenz Ziele erreichen und Absichten realisieren zu können. Je höher die Selbstwirksamkeit, umso weniger werden der Außenwelt unbeeinflussbare Wirkungen zugeschrieben. Eine Person glaubt fest daran, das was sie möchte mit der eigenen Kompetenz erwirken zu können. Diese Überzeugung bezüglich des eigenen Einflusses hat eine positive Wirkung auf die eigene Bereitschaft, sich für die Sache einzubringen. So entsteht die für viele Vorhaben notwendige Ausdauer und die notwendige persönliche Anstrengung. Selbstwirksamkeit ist streng gekoppelt mit dem Selbstwertgefühl.

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Wie ist die Dynamik?

In einer gesunden Entwicklung entwickeln sich durch:

  • die Bereitschaft, Feedback anzunehmen und zu suchen und die daraus entstehende Selbsterkenntnis,

  • die Fähigkeit zur Zentrierung,

  • der bewusste Umgang mit Motiven und Emotionen,

  • die Entwicklung des Selbstwertgefühls,

… die:

  • persönliche Wirkung auf andere,

  • Fähigkeit Beziehungen einzugehen und zu stabilisieren,

  • Autonomie, Toleranz für Unterschiede und Mehrdeutigkeit,

  • Flexibilität, Selbsterkenntnis und die Fähigkeit, mit der Umwelt zu interagieren, während die Abwehrkräfte abnehmen.

Fragebogen

Vertical Personality ist als Online-Feedbackverfahren konzipiert. Die Kurzversion (ohne Führungs­verantwortung) umfasst 160 Aussagen und die Langversion (inkl. Führungsverantwortung) umfasst 196 Aussagen.

Der Zeitbedarf für die Einschätzung umfasst ca. 30 Minuten. Die Befragung kann in Deutsch absolviert werden.

Auswertung

Neben der Selbsteinschätzung können Sie sich Feedback von Ihrem/Ihrer Vorgesetzten einholen sowie von weiteren FeedbackgeberInnen.

Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der Einschätzenden ist die Nähe und somit die Beobacht­barkeit des (Arbeits-)Verhaltens. Personen, mit denen eine Zusammenarbeit seit mindestens 6 Monaten besteht und denen Sie ein kritisch-konstruktives Feedback zutrauen, sind obligat.

Eine Auswertung kann erstellt werden, wenn die Selbsteinschätzung vorliegt. Wir empfehlen jedoch mindestens drei Fremdeinschätzende miteinzubeziehen.

Nutzen

Die erste Erkenntnis aus diesem Modell ist für sich festzustellen, auf welcher Stufe sich der eigene Entwicklungsstand aktuell befindet. Daraus können Entwicklungsfelder abgeleitet werden, um neue Stufen zu erreichen oder bewältigte Stufen intensiver zu leben. In Stresssituationen fallen wir oft auf frühere Stufen zurück und reagieren daraus mitunter destruktiv. Auch diese Tendenzen können wir uns persönlich bewusst machen und nach neuen Alternativen und Reaktionen suchen.

Was sind die Wurzeln?

  • Die Entwicklung des Ich-Bewusstseins, Jane Loevinger, Susanne Cook-Greuter, Nick Petrie

  • Phasen der psychosozialen Entwicklung, Eric Erikson,

  • Die Persönlichkeitstypologie, Carl Gustav Jung

  • Komplexitätsstufen, Elliott Jaques

Bei inhaltlichen Ausführungen und allgemeinen Informationen beraten wir Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.